„Die hohe Kunst des Vorausdenkens“: Billard nun auch an der Realschule

Rottenburg. Die offene Ganztagsschule (OGTS) an der Realschule hat eine neue Freizeitattraktion: Der Pfeffenhausener Billardclub 73 stellt als Dauerleihgabe einen Spieltisch zur Verfügung, den er vergangene Woche offiziell übergab.

Hocherfreut über dieses neue Freizeitangebot empfingen Realschuldirektor Johannes Pfann und der Vorsitzende des Freundeskreises der Staatlichen Realschule, Theo Listl, die beiden Clubmitglieder Gerhard Butz und Willi Gärth. Nachdem der Pfeffenhausener Verein bereits an der Grund- und Mittelschule ihres Heimatortes einen Billardtisch initiiert hatte, konnte erneut die Zusammenarbeit mit einer Schule erfolgreich in die Wege geleitet werden.
Neben Basteln, Schulbücherei, Spielen und bereits bestehenden Sportangeboten haben die 100 Schüler der offenen Ganztagsschule mit Billard in Zukunft eine weitere Alternative für die Zeit nach den Hausaufgaben. Über zehn Prozent der Schülerschaft der Rottenburger Realschule ist an mindestens zwei Nachmittagen pro Woche an der OGTS gemeldet. Für den reibungslosen Ablauf dieser Nachmittagsbetreuung sorgt seit Jahren der Kooperationspartner der Schule, der Freundeskreis der Realschule. Dieser organisiert neben dem Mittagessen die intensive Betreuung der Schüler bei anstehenden schulischen Aufgaben und eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung.
Dass Lernen und Sport beim Billardspiel eng zusammengehören, erläuterten die beiden anwesenden Vertreter des Billardclubs 73 Pfeffenhausen, Willi Gärth und Gerhard Butz. Auf die Frage, was denn gefordert sei, um diese Sportart auszuüben, verwiesen sie stolz auf keinen Geringeren als Albert Einstein. Von ihm sei die Aussage überliefert, Billard sei die hohe Kunst des Vorausdenkens und es sei nicht nur ein Spiel, sondern in erster Linie eine anspruchsvolle Sportart, die neben physischer Kondition das logische Denken eines Schachspielers und die ruhige Hand eines Konzertpianisten erfordere. Das stellte die Erfolgsspielerin des BC 73, Paula Bachmaier, an diesem Nachmittag prompt unter Beweis.
Als Rottenburger Realschülerin der zehnten Klasse ließ sie sich nicht zweimal bitten, den Queue zum offiziell ersten Mal auf das professionell vorbereitete Kugeldreieck zu richten. Ganz im Sinne Einsteins ging sie das Eröffnungsspiel gegen den Schulleiter Johannes Pfann souverän und gelassen an. Am Ende gewann sie gegen einen unerwartet starken und nicht minder konzentrierten Gegner, der zugab, kein Billardneuling zu sein. Die zweifache deutsche Jugendvizemeisterin, die im bayerischen Kader mittrainiert, betonte nach dem Spiel, dass Billard viel Geduld und Konzentration verlange und der Spieler alles herum vergesse, „wie in einer Schux“ (Schulaufgabe). Von solchen Fähigkeiten profitiere sie besonders in  schulischer Hinsicht. Um dorthin zu kommen, brauche man zwar Talent, man könne sich aber mit Fleiß und Training vieles erarbeiten, ergänzte Sportwart und Jugendtrainer Butz.
Den Tisch erhielt der Pfeffenhausener Billardverein aus dem Anwesen Dietlmeier, dessen Abriss aufgrund des Altersheimneubaus notwendig geworden war. Nach dem Abbau des von einer dicken Staubschicht arg in Mitleidenschaft gezogenen Tisches mussten ihn die Vereinsmitglieder komplett zerlegen, alle Teile reinigen und wieder zusammenbauen. Am Ende schufen die Billardsportler nicht nur optisch, sondern auch technisch einen komplett erneuerten Spieltisch.
Nicht weniger aufwendig als der Abbau gestaltete sich der Aufbau an der Schule. Nachdem der Lkw-Transport überstanden, das Grundgestell aufgebaut und die Platte eingehoben war, musste der 200 Kilogramm schwere Tisch mit einer Wasserwaage eingemessen und dementsprechend ausgerichtet werden. Damit die Schüler bald loslegen können, stellte der Verein zusätzliche das Spielmaterial, also Billardqueues, Kugeln, Aufbauhilfen und Kreiden zur Verfügung. Und für die Zukunft versprachen die beiden Verantwortlichen des Billardclubs 73, die Realschule weiterhin zu unterstützen, zum Beispiel in Form von Schnuppertrainings unter fachlicher Anleitung oder Billardturnieren.

Im Original erschienen in der Landshuter Zeitung vom 30.10.2014. © 2014 Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung